Kastration

Im Jahr 2002 wurde von einer TÄ aus Bielefeld eine Studie durchgeführt, die sich mit
gesundheitlichen und verhaltensbedingten Folgen der Kastration beim Hund beschäftigt. Die
Ergebnisse dieser Studie liegen jetzt vor.
Im Rahmen der Studie wurden die Eigentümer von etwa 1000 Hunden jeden Alters, vieler Rassen
und beiderlei Geschlechts mittels eines Fragebogens nach körperlichen und psychischen Folgen
der vorausgegangenen Kastration ihres Tieres befragt.
Durch diese Art der Befragung sind die Ergebnisse sicherlich nicht objektiv und stellen daher auch
nicht die alleinseligmachende Wahrheit dar, aber sie zeigen doch Trends und Wahrscheinlichkeiten
auf.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Veränderungen bei Hündinnen:
1. gesundheitliche:
• Fellveränderungen: 49 %
• Gewichtszunahme: 44 %
• vermehrter Hunger: 40 %
• Harntröpfeln: 28 %

2. Verhaltensänderungen:
• größere Ausgeglichenheit: 51 %
• aktiveres Verhalten: 22 %
• lethargisches Verhalten: 15 %
• geringere Aggressivität gegen andere Hündinnen: 12 %
• erhöhte Aggressivität gegen andere Hündinnen: 9 %
• erhöhte Aggressivität gegen andere Hunde allgemein: 11 %

Veränderungen bei Rüden:
1. gesundheitliche:
• Gewichtszunahme: 47 %
• vermehrter Hunger: 46 %
• Verschwinden von Vorhautentzündungen: 45 %
• Fellveränderungen: 32 %
• Harnträufeln: 9 %

2. Verhaltensänderungen:
• ausgeglicheneres Verhalten: 63 %
• verbesserter Gehorsam: 34 %
• verminderte Aggressivität gegen andere Rüden: 34 %
• Besteigungsversuche durch andere Rüden: 19 %
• lethargisches Verhalten: 13 %
• Unsicherheit im Umgang mit anderen Hunden: 7 %
• verminderte Aggressivität gegenüber der Familie: 7 %
• verminderte Aggressivität gegenüber Fremden: 2 %

Zumindest bei Rüden scheinen die Veränderungen im Aggressionsverhalten eine deutliche
Altersabhängigkeit zu besitzen: Tiere, die sehr früh kastriert wurden, im Alter von unter 6
Monaten, aber auch Tiere, die bei der Kastration zwischen 6 und 12 Monaten alt waren,
zeigen mit größerer Wahrscheinlichkeit erhöhtes Aggressionsverhalten gegenüber anderen
Hunden beiderlei Geschlechts oder fallen durch verminderte Ausgeglichenheit auf. Daraus
lässt sich folgern, dass man Rüden möglichst nicht vor der Vollendung des ersten
Lebensjahres kastrieren sollte.

3 % der Hunde beiderlei Geschlechts zeigen nach der Kastration eine verlängerte
Wachstumsperiode, allerdings 35 % der Tiere, die zum Zeitpunkt der Kastration unter 6 Monate
alt waren. Daher erscheint es nicht sinnvoll, bei Hunden zur Frühkastration zu raten.
Und noch einmal mit besonderer Betonung: Auch in dieser Studie zeigt sich wieder, dass nur
sexuell bedingte Aggressivität durch eine Kastration beeinflusst werden kann, nicht aber
Aggressivität, die durch Beutefang-, Revier- oder Dominanzverhalten ausgelöst wird.