Erziehung

ERZIEHUNG
Komm!
Warum hört mein Hund nicht?

"Komm!" ist für den Hund ein schwieriger Befehl. Der Hund muss etwas unterbrechen, das er gerade interessant findet, um - viel langweiliger! - zu Ihnen zu kommen. Wenn Ihr Vierbeiner nur ungern auf Ihre Zurufe reagiert, sollte Ihre Aufgabe darin liegen, das "Komm!" für Bello so amüsant wie möglich zu gestalten.

Ich kenne viele Varianten des "Komm!"-Befehls, höre sie in Parks und überall da, wo ich mit meinen Hunden laufe. Da ist zum einen der Verführungs-Befehl: "Lilly, komm! Komm hierher, mmmmmhmm, ein Keks! Willst du einen Keks, Lilly?" Oder der multiple Befehl: "Lilly, komm. Lilly, komm, komm, Lilly, komm! KOMM!" Oft höre ich auch den beliebten Jetzt aber!-Befehl: "Komm sofort hierher!", zu dem ein drohender Tonfall gehört. Nummer eins meiner persönlichen Hitliste ist allerdings der Befehl-ohne-Befehl, bei dem Herrchen oder Frauchen den Namen seines Hundes zwar pausenlos wiederholt, ihm aber keineswegs mitteilt, was der eigentliche Grund seiner Rufe ist: "Lilly! Lillylillylillylillyliiiiiiilllyyyy!" Lilly und andere Hunde würden wahrscheinlich aufs Wort gehorchen, wenn ihre Besitzer ein paar grundlegende Punkte beherzigen würden. Der wichtigste: Hunde lernen, in dem Moment zu gehorchen, in dem man das Gehorchen durchgesetzt hat. Wenn Sie Ihren Hund also geschlagene zehn Mal rufen und dann erst hinter ihm herstapfen, um ihn zu holen, wird er auf diese Weise lernen, erst beim zehnten Mal gehorchen zu müssen oder eben stehen zu bleiben, damit Sie kommen, um ihn zu holen. Er wird nicht im Traum darauf kommen, schon beim ersten Ruf seines Namens umzudrehen, um zu Ihnen zu kommen.

1. Üben Sie das "Komm!" in einer Situation, in der Sie Kontrolle über den Hund haben. Das geht am besten an der Leine und im Haus. Gehen Sie mit Ihrem an der durchhängenden Leine angeleinten Hund herum, ändern Sie die Richtung, gehen Sie rückwärts und rufen Sie ihn. Sobald er Ihnen folgt, loben Sie jeden Schritt, den er auf Sie zu macht.

2. Als Nächstes üben Sie mit einem Helfer das "Weglauf-Spiel": Jemand hält Ihren Hund ganz ruhig am Halsband, während Sie mit ihm spielen und ihn richtig "aufmischen". Dann laufen Sie außer Sichtweite aus dem Zimmer und rufen Ihren Hund: "Fifi, komm!" Erst dann lässt Ihr Helfer Ihren Hund los, damit er losrennen kann, um Sie zu suchen. Wenn er bei Ihnen ankommt, lassen Sie ihn "Sitz!" machen und loben ihn überschwänglich. Wiederholen Sie das Ganze insgesamt höchstens drei Mal - Ihr tierischer Freund soll interessiert bei der Sache bleiben. Ganz wichtig: Sobald er langsamer wird, lassen Sie es gut sein. Als Überraschung können Sie ihm jedes vierte oder fünfte Mal ein Lieblingsspielzeug oder einen Hundekuchen geben, sobald er kommt. Wenn er anfängt, sich bei dem Spiel zu amüsieren, verstecken Sie sich. Machen Sie es ihm immer schwerer, Sie zu finden. Manche Hunde geraten dabei ganz außer sich vor Spannung und finden so Gefallen an dem Spiel.

3. Jetzt gehen Sie mit einer zehn Meter langen Schleppleine nach draußen. Wechseln Sie bei Ihrem Hund die normale kurze Leine gegen die dünne Schleppleine aus. Sie sollte sich erst dann straffen, wenn Sie ihn in seinem Laufen ganz gezielt korrigieren wollen. Sobald Sie merken, dass er abgelenkt ist, rufen Sie ihn mit dem deutlichen Befehl "Komm!". Wenn er es tut, loben Sie ihn fröhlich und setzen dann das gleiche Spiel fort, das Sie schon in der Wohnung mit ihm gespielt haben: Rückwärtsgehen, Verstecken... Wenn auch das gut klappt, steigern Sie das Benimm-Training und bauen Ablenkungen ein: Lassen Sie ihn mit einem anderen Hund spielen, rufen Sie ihn dann, und verfahren Sie erneut wie oben beschrieben. Wenn Ihr Hund allerdings nicht reagiert, geben Sie ihm einen kurzen Ruck mit der langen Leine (achten Sie darauf, dass die Leine nicht um sein Bein gewickelt ist, bevor Sie ihm den Ruck geben) und rufen Sie noch einmal "Komm!". Wenn er anschließend kommt, loben Sie ihn gut gelaunt. Nach dieser Überraschungs-Korrektur beenden Sie die Übung, nehmen ihn an seine normale Leine und gehen nach Hause. Hat Ihr Vierbeiner erst einmal begriffen, dass er an einer langen Leine hängt, ist das Training sinnlos.

Üben Sie morgen weiter: Wenn möglich, fangen Sie mit den Komm-Spielen an, die Sie bereits aus der Wohnung kennen. Wichtig: Rufen Sie Ihren Hund stets mit der festen Überzeugung, dass er kommen wird: Wenn Sie glauben, er käme sowieso nicht, wird er das spüren - und Sie haben verloren.

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Bei Fuß!
Warum ziehen Hunde an der Leine?

Man sieht sie ziemlich häufig: Hunde, die ihre Menschen durch die Gegend zerren, als seien sie ein sibirisches Schlittenhund-Team und der Mensch dabei der Lastschlitten. Dieses Geziehe ist aus vielerlei Gründen lästig: Früher oder später landen Herrchen oder Frauchen in der Physiotherapie, weil das zauberhafte Tier dem Halter irgendwann die Schulter ausgekugelt haben wird. Oder der Hund wird bald fürchterlich husten, weil er sich durch das Gezerre die Luftröhre ruiniert. Außerdem macht es keinen Spaß, mit einem Hund spazieren zu gehen, der immer woanders hin will als man selbst, noch dazu im dreifachen Tempo.

Wenn der Hund an der Leine zieht, und Sie ziehen auch, erreichen Sie nur, dass Ihr Hund noch mehr zieht. Druck erzeugt Gegendruck - das gilt in der Hundeerziehung wie in anderen Bereichen des Lebens auch.

Natürlich ist mal wieder der Mensch selber schuld, der nämlich, solange das Hündchen noch klein und niedlich war, nicht darauf geachtet hat, dass der Hund neben oder mit dem Menschen geht. Möglicherweise spürt er sogar einen Hauch Stolz, weil sein Tier darauf stand, immer mit Karacho vorauszustürmen. Das Gehen an der Leine verlangt also etwas Zeit. Ihr Hund muss sich schließlich erst einmal abgewöhnen, ständig wie ein Zugpferd zu agieren, sich dann angewöhnen, wie ein vernünftiger Mensch zu spazieren. Nicht gerade leicht für einen Hund.

1. Bei ganz jungen Hunden übt man das Gehen an der Leine, indem man gleichzeitig ein Quietschtier in die Hand nimmt: Sobald seine Aufmerksamkeit so abgelenkt wird, dass er in eine Richtung zieht, quietschen Sie mit dem Gummitier. Und loben den Hund sofort, wenn er zu Ihnen guckt. Dann geht man weiter. Hündchen guckt woanders hin, zieht an der Leine: quietsch. Hündchen guckt hoch: brav. Hündchen läuft voraus, zieht an der Leine: quietsch. Hund hält beim Ziehen inne und guckt zu Ihnen: brav!

2. Solange Quietschtiere Ihren Hund noch nicht langweilen, kann man so auch mit älteren Hunden üben. Dazu kommt eine weitere Übung, die vor allem vom richtigen Timing abhängt: Strafft sich die Leine, wechseln Sie schnurstracks die Richtung, ohne Ihren Hund vorzuwarnen: Sinn und Zweck ist, Ihren Hund damit zu überraschen, dass Sie völlig unvorhersehbar reagieren. Außerdem ist es unangenehm für ihn, so sang- und klanglos durch die Gegend geschleift zu werden. Wechseln Sie die Richtung gleich wieder. Und noch mal. Gehen Sie Kringel, Achten, um Bäume und Laternenpfähle. Machen Sie einen schnellen Schritt nach rechts, einen nach links, treten Sie unvorhergesehen vor ihn: Er soll merken, dass es ziemlich unbequem und unangenehm ist, wenn er nicht auf Sie achtet. Gehen Sie wieder geradeaus. Sobald sich die Leine strafft, wieder in die entgegengesetzte Richtung gehen. Sobald er nach der Übung (wohl etwas verwirrt) neben Ihnen geht, müssen Sie ihn sehr loben. Es mag ein bisschen dauern, aber normalerweise gibt jeder Hund nach etwa 15 Minuten auf, an der Leine zu ziehen - wenigstens für kurze Zeit. Machen Sie diese Übung jedes Mal, wenn Ihr Hund versucht, sein Tempo zu steigern: Ihre Nachbarn werden komisch gucken und Sie vielleicht nicht sehr weit kommen bei dem ständigen Richtungswechsel, aber Ihr Hund wird nach wenigen Tagen verstehen, dass der Spaziergang angenehmer ist, wenn er auf Sie achtet.

3. Eine Abwechslungsübung zum gleichen Thema: Wenn Ihr Hund an Ihrer linken Seite geht, nehmen Sie die Leine in die rechte Hand (wenn er an Ihrer rechten Seite gehen soll, dann die Leine in die linke Hand), lassen Sie sie aber hinter sich herumlaufen, also so, dass Sie an Ihren Kniekehlen vorbei zum Hundehalsband läuft. Wenn Sie nun voran gehen und Ihr Hund hält nicht den richtigen Abstand neben Ihnen, bekommt er automatisch lauter kleine Rucke am Halsband, ohne dass Sie dafür erkennbare Hilfen geben. Er wird schnell versuchen, die Rucke zu vermeiden, und anständig neben Ihnen laufen. Loben Sie ihn. Verbinden Sie die Angelegenheit jetzt mit dem freundlichen, ruhigen Kommando "bei Fuß".

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Lass das!
Was tun, wenn Hunde keine Ruhe geben?

Überdrehte Hunde, die ständig versuchen, im Mittelpunkt zu stehen, sind lästig und unangenehm: Wenn Sie telefonieren, hopsen sie an Ihnen hoch oder werfen Ihnen glitschige Spielsachen in den Schoß. Wenn Sie versuchen, sich im Park zu unterhalten, bellen sie hysterisch. Wenn Sie Besuch -haben, bedrängen sie die Gäste. Wenn Sie ihnen den Befehl "Sitz!" oder "Platz!" geben, gehorchen sie entweder nicht oder springen gleich wieder auf.

All das bedeutet weniger, dass Ihr Hund nicht genug Aufmerksamkeit bekommt, als viel mehr, dass er seinen Platz im Rudel nicht akzeptiert: Er versucht, Sie zu dominieren. Wahrscheinlich hat er das auch schon geschafft: Dadurch, dass Sie auf seine Bemühungen, Sie abzulenken, eingehen, bestimmt er das Geschehen - auch wenn das für ihn negative Folgen hat, weil Sie ihn anschnauzen: Sie beschäftigen sich mit ihm.

Schuld sind natürlich wieder mal Sie selbst: An irgendeinem Punkt ist Ihnen die Konsequenz abhanden gekommen, Sie haben nachgegeben, wenn er Sie gepiesackt hat, anstatt ihn auf seinen Platz zu schicken, oder versucht, sein Bellen abzustellen, indem Sie Ihre Unterhaltung unterbrochen und Ihrem Hund einen Stock geworfen oder einen Keks gegeben haben. Er dagegen hat Sie im Laufe Ihres Zusammenlebens fabelhaft dressiert.

Obwohl er sich mehrfach bitten lässt, wenn Sie ihn rufen, beantworten Sie seine Aufforderung, mit ihm zu spielen, ihn zu streicheln oder mit ihm spazieren zu gehen, meist postwendend. Er bestimmt, wo er liegen möchte, und wenn er sich von Ihnen auf seinen Platz schicken lässt, steht er nach kurzer Zeit wieder auf und legt sich woanders hin. Er verteidigt unaufgefordert sein Zuhause gegen Besuch, Briefträger oder fremde Kinder und lässt sich von Ihnen auch nicht daran hindern. Um Ihre Führungsposition wiederzuerlangen, müssen Sie vor allem sehr konsequent mit sich selbst sein.

1. IGNORIEREN
Wenn Ihr Hund zu Ihnen kommt, um sich streicheln zu lassen, seinen Kopf in Ihren Schoß legt oder seine Pfote auf Ihr Knie, ignorieren Sie ihn. Sie können ihn jederzeit zu sich rufen, um ihn zu streicheln, aber reagieren Sie nicht, wenn er Sie dazu auffordert!

2. GRENZEN SETZEN
Wenn Sie Besuch erwarten, legen Sie ihrem Hund eine leichte, -dünne Leine um. Wenn es klingelt, lassen Sie ihn neben sich "Sitz!" machen und treten Sie auf seine Leine, so dass er zwar bequem neben Ihnen sitzen, aber nicht aufstehen und herumhüpfen kann. Wenn der Gast kommt, gehen Sie ausnahmsweise nicht auf ihn zu, damit Sie neben Ihrem Hund stehen bleiben können. Begrüßen Sie den Gast, sorgen Sie aber dafür, dass Ihr Hund von ihm ignoriert wird, und gehen Sie dann mit dem Besuch dahin, wo Sie gewöhnlich mit -Gästen sitzen. Nehmen Sie Ihren Hund an der Leine wortlos mit, und lassen Sie ihn neben sich "Platz!" machen. Treten Sie wieder so auf die Leine, dass er nicht aufstehen kann. Wenn er es versucht, ignorieren Sie ihn. Er soll "Platz!" machen.

3. BELOHNEN STATT VERWÖHNEN
Geben Sie Ihrem Hund kein Futter und auch keinen Keks, ohne dass er etwas dafür tut: Es muss kein Salto rückwärts sein, aber wenigstens "Sitz!", "Platz!", "Bleib!", irgendetwas in der Art.

4. KONSEQUENT BLEIBEN
Bauen Sie in Spaziergänge ein Zehn-Minuten-Erziehungsprogramm ein, gehen Sie Achten mit ihm bei Fuß, legen Sie ihn ab, gehen Sie in großen Kreisen um ihn herum, lassen Sie ihn mindestens vier Minuten liegen, gehen Sie zu ihm und holen ihn ab, lassen Sie ihn "Sitz!" machen, bevor Sie einen Ball werfen (und erst mit "Los!" aufstehen), lassen Sie ihn auf der Wiese, an Ampeln und jedem Bordstein "Platz!" machen - wie früher, als Sie noch konsequent waren.

5. SCHMUSEZEITEN EINLEGEN
Nehmen Sie sich einmal am Tag etwa fünf bis zehn Minuten, in denen Sie Ihren Hund gezielt und ausgiebig streicheln. Rufen Sie ihn dazu extra zu sich, kraulen seinen Bauch, massieren seine Ohren und unterhalten sich mit ihm. Das ist gut für Ihr eigenes Gewissen, und Sie können sich besser abgrenzen, wenn er versucht, Ihre Aufmerksamkeit einzufordern.

6. DREI WOCHEN DURCHHALTEN
Wenn Sie diesen Plan drei Wochen lang beherzigen, müsste Ihre Beziehung zu Ihrem Hund wieder im Lot sein.

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Auf geht's!
Wie motiviere ich Eigenbrödler?

Es gibt Hunde, für die ist das Lassie-Prinzip absolut kein Lebensmotto: Sie wollen es ihrem Herrn durchaus nicht immer recht machen. Dabei ist es nicht so, dass sie ihren Herrn nicht schätzen, sie haben nur ihre eigenen Pläne. Ein Rückblick: Rassen wie Hüte- oder Schäferhunde haben immer sehr eng mit Menschen zusammengearbeitet und sind in ihrem Tun und Handeln praktisch abhängig von menschlicher Führung. Andere Rassen dagegen wurden jahrhundertelang auf Unabhängigkeit und Eigenverantwortung gezüchtet: Dackel, Terrier oder Windhunde sollten ihre Aufgaben allein lösen, weil sie während der Jagd häufig von ihrem Menschen getrennt wurden und sich auf ihr eigenes Urteil verlassen mussten. Sie sind phantastische Arbeitshunde, aber das tägliche Zivilleben gestaltet sich mit ihnen oft anstrengend. Unser Urteil, unsere Vorstellungen oder Kommandos sind noch lange kein Gesetz für sie. Unabhängige Hunde ordnen sich nicht unbedingt in die Regeln und Strukturen der sozialen Rangordnung ein, die wir vorgegeben haben. Für die meisten ist das Leben mit einem Beamten nun mal leichter als mit einem Künstler. Ein Schäferhund ohne unsere Führung verzweifelt, ein Jack Russell ohne unsere Führung hat mehr Termine als der Außenminister.

Hauptsache unabhängig
Das Problem mit dem unabhängigen Hund ist nicht, ihn dazu zu bringen, die Kommandos zu verstehen, sondern sich für die Kommandos zu interessieren. Die meisten Hunde, die schwer zu erziehen sind, verstehen genau, was wir von ihnen wollen, es ist nur eben momentan nicht das, was sie wollen. Um diese Hunde zu motivieren, muss etwas für sie dabei herausspringen. Der Hund muss das Gefühl haben, dass Erziehung ein sensationelles Spiel ist, bei dem er unglaublich viel Spaß haben oder etwas bekommen wird. Diese Hunde sind eine Herausforderung für jeden Besitzer, denn er muss sich wirklich etwas einfallen lassen. Unabhängige Hunde arbeiten nicht für Mindestlohn. Dann gibt es noch Hunde mit extrem entspanntem Temperament wie Englische Bulldoggen, Chow-Chows oder Afghanen. Auch sie können schwer motivierbar sein, was das Leben mit ihnen beschaulich macht, weil es in gefälliger Geschwindigkeit stattfindet, für Action sind Menschen zuständig. Um Hunde zu motivieren, die grundsätzlich wenig Lust haben, sich etwas sagen zu lassen, muss man sich etwas ausdenken. Machen Sie sich klar: Ihr Hund gehört zu der Sorte Angestellter, der gut für einen Chef mit attraktivem Bonusprogramm arbeitet. Unter angenehmen Arbeitsbedingungen wie kurze Trainingseinheiten, geeignete Ausrüstung und klare Zielsetzungen wird Ihr Hund zu einem zuverlässigen Begleiter werden. Ohne Bonus keine Chance.

Überzeugungshilfen
Bestechung. Unabhängige Hunde verlangen Gehaltsschecks in Form von Hurra, Spaß und großartigen Keksen. Wenn Ihr Hund schwer bestechlich ist, versuchen Sie es mit Wiener Würstchen und Käse, in winzige Stückchen geschnipselt. Er soll nicht gefüttert werden, sondern belohnt. Aber denken Sie daran: Erst arbeiten, dann den Keks. Wow: Spielsachen! Kaufen Sie ein neues Spielzeug und machen Sie sich damit interessant. Bauen Sie seine Begehrlichkeit auf, ohne dem Hund das Spielzeug zu geben. Lassen Sie ihn eine Übung machen, etwa "Sitz! Bleib!". Zur Belohnung darf er dann das Spiel ... ansehen! Vielleicht darf er auch kurz damit spielen - aber erst in ein paar Tagen. Selbstverständlich bleibt das Spielzeug auch dann noch Ihres. Beachten Sie dabei, dass Sie Spaß verbreiten. Übereifer, Genörgel und Perfektionismus führt bei unabhängigen Hunden zum Abschalten.

Gutes Timing. Wenn Sie zu häufig mit Ihrem unabhängigen Hund üben, wird er sich langweilen. Er wird entweder aufhören mitzumachen oder sich eine interessante Variante ausdenken, die alles durcheinander bringt. Sobald Sie merken, dass Ihr Hund sich beim Trainieren langweilt, spielen Sie ein bisschen Ball mit ihm, damit er wieder den Ist-das-hier-aber-lustig-Gang einlegt. Üüüüberraschung! Solange Ihr Hund eine neue Aufgabe erlernt, sollten Sie jeden Schritt, der in die neue Richtung führt, belohnen. Sobald er verstanden hat, was Sie von ihm wollen, Sie also "nur" noch üben, belohnen Sie ihn nur jedes dritte oder vierte Mal. Er wird sich mehr anstrengen, um sich die Belohnungen zu verdienen. Sobald Ihr Hund die Aufgabe beherrscht, gibt es keine Belohnung mehr. Nach vier Jahren kann man erwarten, dass er "Sitz!" ohne Keks macht. Beachten Sie ihn beim Gassigehen. Beantworten Sie die Aufmerksamkeit, die Ihr Hund Ihnen gibt. Lassen Sie ihn wissen, dass es Sie erfreut, wenn er Sie beachtet. Gehen Sie schnell, sagen Sie seinen Namen, sobald er hochguckt, wechseln Sie ein bisschen die Richtung, machen Sie einen Schritt zur Seite, wenn er Ihnen folgt: Loben Sie ihn fröhlich oder geben ihm eine winzige Belohnung, ohne das Tempo zu unterbrechen.

Klare Ansagen
Seien Sie kurz und gerecht. Wenn man beob-achtet, wie Hunde einander strafen, sind das nur kurze Momente lang, in denen sie einander scharf und deutlich zeigen, dass der andere gerade eine Grenze übertreten hat. Gleich im Anschluss sind sie wieder Freunde. Seien Sie nie nachtragend. Flüstern Sie. Machen Sie es anders als sonst: Werden Sie ganz leise, damit Ihr Hund Ihnen besser zuhört. Wenn Sie schreien oder laut sind, muss er das nämlich nicht. Machen Sie den Affen. Ein vergnügtes Gesicht, enthusiastische Bewegungen und eine heitere Stimme werden Ihren Hund aus seiner Lethargie holen. Ehrlich gesagt: Nur wenn ihre Nachbarn das Gefühl haben, sie seien völlig bescheuert, machen Sie bei Ihrer Hundeerziehung alles richtig.

Und wenn nichts hilft ...
Eine Kombination aus großem Hurra, Belohnung und dem richtigen Arbeitstempo wird auch den unabhängigsten Hund davon überzeugen, dass es kein großes Opfer ist, mit Ihnen zu kooperieren. Um ihm bei der Einsicht entgegenzukommen, stellen Sie sich immer wieder folgende Fragen:

1. Wer ist hier der Boss? Ein Hund, der den Kommandos seines Herrn nicht folgt, ist nicht doof. Er hat beschlossen, ihn zu ignorieren, weil er ihn nicht ernst nimmt. So hart es klingt: Unabhängige Hunde hören nicht auf Fußvolk. Übernehmen Sie also die Führungsposition und entlasten Sie Ihren Hund damit. In einer menschlichen Welt sind Sie nunmal der kompetentere Anführer.

2. Bin ich spannend für ihn? Machen Sie Ihren Hund neugierig und bewegen Sie sich schnell und zügig. Wenn er beim Training mit Ihnen nichts verpassen will, muss er so auf Sie achten.

3. Hat er die Chance, mir zu entwischen? Verwenden Sie eine dünne Vier-Meter-Trainingsleine, damit sie Ihren Hund im Griff behalten, falls er sich ablenken lässt oder keine Lust mehr hat.

4. Kann man diesen Streit nicht vermeiden? Wenn zum Beispiel tägliches Bürsten zum Kraftakt wird, bringen Sie Ihren Hund mit seinem verfilzten Fell zum Hundefrisör. Anschließend können Sie ihn sanft und angenehm pflegen und Ihre Beziehung zu Ihrem Hund verbessern. Wenn Sie sich mit einem starken Willen auseinandersetzen müssen, sollten Sie sich nicht auch noch mit dem störrischen Hund über Kleinigkeiten streiten.

5. Sollte ich cool bleiben? Achten Sie darauf, dass Sie vor lauter Glück Ihren Hund nicht kontinuierlich loben. Permanentes Lob sagt dem Hund nämlich nicht, was er eigentlich richtig gemacht hat.

6. Was mag mein Hund wirklich? Manche Hunde interessieren sich nicht für Futterbelohnungen. Variieren Sie mit Leberwurst, Käse, Lachspaste oder Würstchen - es ist noch kein Hund geboren worden, der wirklich bei allem kalt blieb. Wenn Ihr Hund allerdings für sein Spielzeug seine Seele verkauft, machen Sie eben daraus seine Belohnung und räumen Sie es anschließend wieder weg.

7. Versteht er, was ich von ihm will? Nur weil Ihr Hund eine Übung ein- oder zweimal richtig gemacht hat, bedeutet dies nicht, dass er sie wirklich beherrscht. Zögern Sie nicht, im Training auch noch einmal zurückzuspulen. Manchmal unterstel-len wir unseren Hunden, dass sie etwas absichtlich nicht machen, dabei verstehen sie einfach nicht, was wir von ihnen erwarten. Also gehen Sie mit ihm ruhig zurück an den Anfang und belohnen Sie jeden kleinen Schritt in Richtung Erfolg.